Mallorcas Weine

Es gibt viele Weine, viele Bodegas auf Mallorca. Gerade zu eine Flut neuer Nobelweingüter sind für die besser Betuchten entstanden. Sicherlich findet man dort edle Tropfen zu edlen Preisen. Wer aber einen sauberen, ehrlichen Tropfen bevorzugt, der schmeckt, der sich durch eine angenehme Säure und wenig Schwefel kennzeichnet und noch durch einen arttypischen Traubengeschmack glänzt, der kann auf kleiner Weingüter ausweichen.
Bodega Can Rubi – eine angenehme Überraschung!
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Seit über dreizig Jahren befasse ich mich mit Wein, stelle ihn hobbymäßig in kleinen Mengen selbst her, habe mit feinen Tröpfchen nebenberuflich gehandelt und befasse mich allgemein mit Lebensmittelqualität und -technologie. Immer wieder begegne ich Menschen, darunter auch gebildete Personen, die behaupten, sie hätten einen tollen Wein für knapp 2 EURO im Supermarkt gekauft. Ich habe es aufgegeben, mit diesen Personen zu diskutieren oder sie belehren zu wollen. Wenn das Billigprodukt ihnen schmeckt, na, dann bitte, sollen sie doch.

Ich für meinen Teil schüttle aber innerlich den Kopf, wie man so leichtgläubig sein kann, einen Wein für einen derartigen Dumpingpreis zu erstehen und vor allem zu glauben, der sei „gut“.

Sicherlich ernten Weingüter in Australien, Kalifornien, Chile und Südafrika ihre Weine weit kostengünstiger als in bergigen Regionen Deutschlands, Italiens und Frankreichs, wo oft teure Handarbeit gefragt ist. Mehrspurige Erntemaschinen reißen Reben samt Blättern einfach vom Stock. Die Trauben werden dann separiert und später in riesigen Edelstahlbehältern unter Aufsicht eines „Kellermeisters“, der in Wahrheit ein Lebensmitteltechniker ist und genau weiß, wann welche Maßnahmen zu treffen sind, um den Wein zu stabilisieren und ihm einen konsumfreundlichen Geschmack zu verleihen, gekeltert.

Unter einem Naturprodukt verstehe ich nun mal etwas anderes. Auf einer Gastronomieschule in Berlin demonstrierte ein Dozent einem mir bekannten Koch einen Wein und ließ ihn von dem Auditorium verköstigen. Allen schmeckte der Wein durchaus passabel. Der leichte Beerengeschmackt mit dem Hauch reifer Orangen und einem Ton von Quitte, rund und harmonisch. Insgesamt ein süffiger Schluck. Der Lehrer klärte, zum Erstaunen der Schüler, die Herkunft seiner Degustationsprobe auf. Es handle sich dabei um einen rein künstlich hergestellten Tropfen. Das simple Rezept: Traubensaft + Zucker + Alkohol und ein paar Geschmacksstoffe. Letztere richtig zu dosieren ist jedoch nicht mehr simpel, sondern eher eine Kunst.

Okay, einen guten Wein für rund 2 EUR gibt es nicht im Supermarkt, wenn, dann vielleicht als frischen Landwein vom Fass beim Bauern. Doch der hält sich nicht lange. Es sei denn er ist reichlich mit Schwefel angereichert, wie ich ich es bei vielen Bio-Weinen erlebt habe.

Für mich also bisher ein No Go. ABER wie so oft im Leben, gibt es immer Ausnahmen, wenn auch nicht im Supermarkt aber beim Winzer selbst. Ich erhielt eine Flasche eines mallorcinischen „Rosats“ als Geschenk zum Probieren. Der Preis wurde mir nicht genannt. Der Rosé-Wein war harmonisch, beinhaltete wenig Säure und wenig Schwefel. Der Abgang zeichnete sich durch einen gehaltvollen Traubengeschmack aus, war weder zu blumig noch aufdringlich, einfach sauber und naturbelassen. Und sein Preis, ich wollte es nicht glauben, bis ich selbst zu der kleinen Bodega fuhr, 1,9 EUR pro Flasche. Andere Weine gab es direkt vom Fass für 1,9 bis 3,5 EUR pro Liter. Und auf Flaschen gezogen zwei weitere Rosats von hervorragender Qualität zu 3,70 und tolle Rotweine, der teuerste etwas über 6 EUR. Ich war baff.

Wer ihn selbst gerne probieren möchte, die Bodega heißt Can Rubi. Sie befindet sich in Santa Maria , Placa Nova 26
http://bodegacanrubi.com/bodega

Die kleine Bodega Can Ramis in Sencelles, etwa 40 Meter rechts hinter der Kirche, keltert in der Regel nur einen Rotwein, den „Serral“ (8€/750ml), der aber äußert elegant und harmonisch ausfällt. Absolute Kaufempfehlung!!!
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