Historisches

Historisches rund um die Insel

Viele wollen auf die Baleareninsel wegen der Sonne und dem glasklaren Wasser, welches zum Schnorcheln und schwimmen einlädt.

Mallorca hat allerdings bei weitem mehr zu bieten.

Die Insel wurde über die Jahrhunderte von einigen sehr einflussreichen Kulturen, wie den Römern oder Arabern geprägt. Viele der alten Gebäude haben die Jahre überstanden und man kann sie heute noch besuchen. Allein die vielen kleinen Innenhöfe mitten in Palma erinnern an die vergangene Zeit, in der sich dort das soziale aber auch politische Leben abgespielt hat.

 

Mallorcas historisches Schnellwarnsystem

Insgesamt 71 Wachtürme dienten ab dem 16. Jahrhundert auf der Insel als Schnellwarnsystem gegen Piraten und andere feindliche Angriffe. Jeder der Türme war mit zwei Posten besetzt, die bei Sichtung von feindlichen Schiffen per Rauch von grünen Blättern bei Tage, bzw. Feuerzeichen bei Nacht, die Nachricht über Schiffszahl und Fahrtrichtung von Turm zu Turm übermittelten. Binnen 30 Minuten war die gesamte Insel gewarnt. Die Glocken der Kathedrale von Palma sowie einiger Kirchen taten das ihre, um die Warnung weiterzugeben. Als Erstmaßnahme zur Abwehr feindlicher Schiffe waren einige der Wachtürme mit Kanonen bestückt. Der Mallorquiner Joan Binimelis (1538-1616) hatte das System perfektioniert. Heute sind leider viele der Türme verfallen.

Marges und parets seques

Die Stütz- und Trennmauern Mallorcas sind ein wichtiges historisches Detail der Insel. Vor allem in der Tramuntana sind sie anzufinden und gaben mit den Ausschlag, den Gebirgszug in Gänze als Unesco-Welterbe zu klassifizieren. Die Mauern sind nicht mit Mörtel gemauert, sondern die unregelmäßig zurechtgeschlagenen Steine werden unverfugt so passgenau aufgeschichtet, dass sie stabil zusammenhalten. Einzig zugelassen zur Befestigung der Oberkante, und nur dieser, ist der ‚Eselrücken‘ (esquena d’ase), bei dem die Abschlusssteine mit Kalkmörtel verbunden werden dürfen und auch nur dann, wenn keine passenden größeren Steine zur Verfügung stehen. Diese Trockensteinmauerbauweise ist eine Jahrhundert alte handwerkliche Kunst, die heute fast ausgestorben ist und erst neuerdings Liebhaber historischen Bauens findet. Gegen den Strom moderner Techniken, in denen die Steine grob aufgeschichtet werden und durch Zementmörtel stabilisiert werden, wehren sich traditionelle Handwerker, mittlerweile sind es rund 200 gut ausgebildete Trockensteinmauerbauer, die sich in einer Zunft, dem ‚Gremi de Margers‘ zusammengeschlossen haben.
Das wichtigste Werkzeug des Trockensteinmaurers ist das Bergeisen, auch Spitzhammer genannt.

Die wichtigsten Ausgrabungs- und Fundstätten auf Mallorca

– Ses Païsses bei Artà. Es handelt sich um eine begehbare Talaiotsiedlung, die sich über 1,3 Hektar in einem Steineichenwald erstreckt.Bewohnt war Ses Païsses von 1.300 v.Chr. bis 100 n.Chr.

– S’Hospitalet Vell in Manacor

– Capocorb Vell bei Llucmajor

– S’Illot in San Llorenç de Cardassar

– Nekropolis von Son Real; 110 Gräber

Um Mallorcas archäologisches Erbe zu erkunden, ist es empfehlenswert, zuerst das Museum Son Fornés in Montuïri zu besuchen. Unweit des Museums liegt die Ausgrabungsstätte Son Fornés. Es handelt sich um sehr gut erhaltenen Megalithsiedlung von der derzeit zwei Talaiots freigelegt wurden. Einer der beiden ist mit 4 m Höhe der höchste der Insel. Die Siedlung war bewohnt von  900 v. Chr. bis 500 n. Chr. Der Eintritt ist kostenlos.

– Alcúdia; ehemalige römische Stadt Pollentia, die 70 v.Chr. gegründet wurde und bis ins 5. Jahrhundert bewohnt war. Ausgrabungsstätten sind das Fòrum Romà, das Theater, ein Tempel und ein Handelsviertel. Das alte Pollentia ist Mallorcas berühmteste Ausgrabungsstätte. Fundstücke sind im archäologischen Museum von Pollentia ausgestellt.

– Pollenca; alte Römerbrücke

 

Zeittafel

um 7.200 v. Chr. vermutlich erste Besiedlung der Insel

um 2.300 v.Chr. die Zwergantilope Myotragus balearicus stirbt aus.

1.700 v.Chr. Bau schiffähnlicher Grab-/Kultstätten und künstlicher Grabhöhlen (z.B. Son Real)

1.400 – 100 v.Chr. Bronzezeitliches Talaiotikum, Mauern und Türme in Megalith-Bauweise; Keramikfunde, Bronzeschwerter und -schmuck; Phönizische, griechische und karthagische Faktoreien an den Küsten.

ca. 800 v.Chr. Durch den Fund von verschiedenen Materialien, wie Keramik und Bronzegegenstände, vermutet man um 800 v. Chr. die ersten Handelsbeziehungen mit anderen Mittelmeerinseln.

ca. 654 v. Chr. entdeckten die Karthager die Balearen und gründeten auf Ibiza den Handelsstützpunkt Ebusium. Dadurch nahm der Einfluss anderer Mittelmeerkulturen auf Mallorca zu, obwohl Mallorca selbst nicht von den Puniern erobert wurde. Dennoch gerieten die Balearen nun in den Einflussbereich Karthagos.

ab 480 v.Chr. Mallorquinische Steinschleuderer kämpfen als Söldner bei den Puniern und auch bei den Römern.

123 v. Chr. Der römische Feldherr Quintus Caecilius Metellus besetzt die Insel und gründet Palma (Palmeria) und Pollentia (Ruinen bei Alcúdia) – erste Blütezeit auf Mallorca!

3. Jahrhundert n. Chr. Christianisierung der Insel

455 – 534 Vandalen besetzen Mallorca.

533/34 wurde das Vandalenreich von Ostrom, das unter der Herrschaft von Kaiser Justinian I. stand, durch General Belisar zerstört. Nach der Kapitulation der Vandalen unter König Gelimer in Numidien, fiel das gesamte Vandalenreich, und damit auch Mallorca, an das byzantinische Reich. Die Balearen wurden Teil der oströmischen Provinzen Sardinien und Mauretanien II und genossen eine gewisse Autonomie innerhalb des Byzantinischen Reiches, das unter Kaiser Herakleois im 7. Jahrhundert Griechisch als Verwaltungssprache einführte.

534 Byzantinische Herrschaft

798 Karl der Große schließt einen Schutzvertrag gegen spanische Angriffe (Mallorca gehört bis 903 zum Oströmischen Reich)

902 wurden die Balearen von dem maurischen Kalifat von Cordoba erobert und General El Jaulani wurde Statthalter von Mallorca.

1076 Balearen werden unabhängiges Reich

1113 – 1115 Almoraviden übernehmen die Herrschaft

1229 Arabische Herrschaft endet am 31. 12. 1229. Rückeroberung Mallorcas unter König Jaume I., dem Herrscher über Katalonien und Aragón, mit Hilfe der Tempeltitter. Viele Bauten und Ländereien zeugen von der Anwesenheit und Herrschaft der Templer.

1235 Ramón Llull, berühmtester Sohn der Insel, wird geboren

1276 Jaume II, Sohn Jaumes I, ruft die Balearen zum Königreich Mallorca aus.

1311 wird der Thron von Sancho I. übernommen, der ihn aber bereits im Jahre 1324 an Jaume III. abgeben muss. In dieser Epoche wird der Ausbau der mallorquinischen Handelsflotte besonders gefördert. Die ausgedehnten Bergwälder Mallorcas fallen dem Schiffsbau zum Opfer.

1349 Mallorca wird der katalonisch-aragonesischen Krone zugeführt – Niedergang beginnt!

1350 -1390 Judenverfolgung

1469 Mallorca fällt an das geeinte spanische Königreich

1492 Mit der Entdeckung Amerikas verliert Spanien das Interesse an Mallorca

1531 Catalina Tomás wird geboren

1814 Mallorca erhält eine eigene freiheitliche Verfassung (nach dem Ende der napoleonischen Unabhängigkeitskriege)

1838-39 Der polnische Komponist Frédéric Chopin verbringt mit seiner Geliebten George Sand (frz. Schriftstellerin) einen Winter im Kloster von Valldemossa

1867 Der österreichische Erzherzog Ludwig Salvador (Arxiduc genannt) kommt als 20-jähriger Student zum ersten Mal nach Mallorca (hat dann mit Unterbrechungen vier Jahrzehnte auf der Insel verbracht; die Mallorquiner verehren ihn als Umweltschützer, Forscher, Schriftsteller und Künstler)

1901 Palmas Gran Hotel wird eröffnet

1930er Der englische Schriftsteller Robert Ranke-Graves („Ich, Claudius, Kaiser und Gott“) lässt sich in Deià nieder (verbringt mit Unterbrechungen knapp 50 Jahre im Künstlerdorf, wo er 1985 mit knapp 90 Jahren stirbt)

1936 – 1939 Im spanischen Bürgerkrieg nutzt Franco die Balearen als Truppenstützpunkte

1945 Der berühmte Maler Joan Miró lässt sich auf Mallorca nieder (Ausstellung im Bahnhof von Soller)

1956 Bau des ersten Flughafens bei Son Bonet

Ab 1960 Beginn des Massentourismus unter General Franco

1983 Die Balearen werden zu einer der 17 autonomen Regionen Spaniens (Demokratie); Das katalanische Kulturerbe erlebt nach der Franco-Ära eine Renaissance